T-Shirt-Größen für agile Schätzungen
Was T-Shirt-Größen sind, wie eine Sitzung abläuft, wann XS bis XXL statt Story Points sinnvoll ist, wie sich Größen auf Punkte abbilden lassen und wo die Methode an Grenzen stößt.
T-Shirt-Größen sind eine agile Schätzmethode, bei der Teams Arbeit mit Bezeichnungen wie XS, S, M, L und XL statt mit Zahlen bewerten. Das Prinzip entspricht Story Points: Aufgaben werden nach relativem Aufwand verglichen, statt Stunden zu erraten. Die gröbere, nicht numerische Skala lässt sich jedoch schneller anwenden und ist für nicht technische Beteiligte verständlich. Dadurch eignet sie sich für eine frühe, übergeordnete Planung und die schnelle Einordnung eines großen Backlogs. Im Folgenden: So läuft die Methode ab, wann sie Punkten vorzuziehen ist, wie sich Größen auf Punkte abbilden lassen und wo die Grenzen liegen.
Was ist T-Shirt-Sizing?
Statt „Wie viele Story Points?“ oder „Wie viele Stunden?“ fragt das Team: „Ist das klein, mittel oder groß?“ Jede Aufgabe erhält anhand ihres relativen Aufwands, ihrer Komplexität und Unsicherheit eine T-Shirt-Größe. Die Bezeichnungen sind bewusst ungenau, genau das ist der Sinn: In einer frühen Projektphase braucht man ein grobes Gefühl für die Größe, keine Scheingenauigkeit.
Weil es nur wenige Größen und keine Berechnungen gibt, können auch Beteiligte ohne Erfahrung mit Software-Schätzungen mitmachen. Diese Zugänglichkeit ist eine der größten Stärken der Methode.
Größen und ihre Bedeutung
Es gibt keine festgelegte Definition; jedes Team stimmt seine Skala selbst ab. Eine verbreitete Auslegung sieht so aus:
| Größe | Grobe Bedeutung |
|---|---|
| XS | Unbedeutend, gut verstanden, fast ohne Risiko |
| S | Klein und klar, schnell zu erledigen |
| M | Mittlerer Umfang, einige Unbekannte, normale Arbeitseinheit |
| L | Groß, mehrere Teile oder echte Unsicherheit |
| XL | Sehr groß, sollte wahrscheinlich aufgeteilt werden |
| XXL | Zu groß für eine einzelne Aufgabe; aufteilen |
Der nützliche Hinweis liegt am oberen Ende: XL oder XXL bedeutet, dass die Aufgabe vor der Bearbeitung zerlegt werden sollte – nicht, dass ihr euch auf einen konkreten Aufwand festlegt.
Warum T-Shirt-Größen nutzen?
- Geschwindigkeit. Eine grobe Skala mit wenigen Auswahlmöglichkeiten ist schnell. Ein großes Backlog lässt sich in einem kurzen Durchgang einordnen.
- Keine Scheingenauigkeit. Bezeichnungen zeigen deutlich, dass es sich um eine grobe Einschätzung und keine Messung handelt. Das passt zur Forschung über relative Schätzung: Entscheidend ist ein gemeinsames Gefühl für den Umfang, kein exakter Einzelwert (siehe Was Story Points sind).
- Auch für nicht technische Personen zugänglich. Produkt-, Design- und Geschäftsverantwortliche können zusammen mit Entwickelnden schätzen, denn niemand muss eine Zahl verteidigen.
- Gut für einen ersten Durchgang. Die Methode lässt sich mit anderen kombinieren: Sortiert zunächst alles grob nach Größen und nutzt Planning Poker nur für die wichtigen Aufgaben.
Eine T-Shirt-Sizing-Sitzung durchführen
- Eine Referenzaufgabe vereinbaren. Wählt eine gut verstandene Arbeitseinheit und legt sie als M fest. Alles andere wird mit ihr verglichen.
- Zunächst still schätzen. Jede Person ordnet selbst eine Größe zu. So orientiert sich niemand an der lautesten Stimme – dasselbe Prinzip wie beim gleichzeitigen Aufdecken im Planning Poker.
- Abweichungen aufdecken und besprechen. Wenn die Einschätzungen auseinandergehen (eine Person sagt S, eine andere L), lasst beide ihre Gründe erläutern. Dabei kommen verborgene Aufgaben ans Licht – wie bei einer punktebasierten Schätzung.
- Gruppieren und weitermachen. Einigt euch auf eine Größe, ordnet die Aufgabe ein und haltet das Tempo. Markiert XL- und XXL-Aufgaben zum Aufteilen, statt sie weiter zu schätzen.
T-Shirt-Größen und Story Points im Vergleich
Es handelt sich nicht um konkurrierende Methoden, sondern um unterschiedlich genaue Ausprägungen derselben Idee. Viele Teams verwenden beide in verschiedenen Projektphasen.
| T-Shirt-Größen | Story Points (Fibonacci) | |
|---|---|---|
| Skala | XS bis XXL, nicht numerisch | 0, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21 |
| Genauigkeit | Grob | Feiner abgestuft |
| Tempo | Schneller | Langsamer |
| Wer kann teilnehmen? | Alle, auch nicht technische Beteiligte | Vor allem das Umsetzungsteam |
| Besonders geeignet für | Frühe Planung auf hoher Ebene, große Backlogs | Sprintplanung und Velocity |
| Unterstützt Velocity-Berechnungen | Nicht direkt | Ja |
Wer Velocity verfolgen und Prognosen erstellen möchte, braucht letztendlich Zahlen. Viele Teams beginnen mit T-Shirt-Größen und wechseln zur Sprintplanung zu Story Points. Eine Übersicht weiterer Möglichkeiten bietet unser Vergleich agiler Schätzmethoden.
T-Shirt-Größen auf Story Points abbilden
Teams möchten Größen oft in Punkte umrechnen, um die Velocity berechnen zu können. Eine grobe Zuordnung wie S = 2, M = 3, L = 5 und XL = 8 ist in Ordnung, solange sie als Näherung und nicht als unumstößliche Umrechnungstabelle gilt. Sobald jemand darauf besteht, dass M „genau 3“ entspricht, geht der Grund für eine bewusst ungenaue Skala verloren. Haltet die Zuordnung grob und schätzt Aufgaben direkt in Punkten neu, wenn ihr Details für die Sprintplanung braucht.
Wann T-Shirt-Sizing an Grenzen stößt
- Es liefert für sich genommen keine Velocity. Bezeichnungen lassen sich nicht addieren. Für Prognosen braucht ihr eine Zuordnung zu Zahlen oder einen zusätzlichen Durchgang mit Punkten.
- Die Grenzen sind subjektiv. Das L eines Teams kann dem M eines anderen entsprechen. Innerhalb eines Teams ist das in Ordnung; zwischen Teams sind Größen jedoch nicht übertragbar.
- Für Sprintdetails ist die Skala zu grob. Bei der Auswahl der Arbeit für die nächsten zwei Wochen ist der Abstand zwischen S und M oft zu groß. Wechselt dafür zu Punkten.
- Große Aufgaben verstecken sich hinter einer einzigen Bezeichnung. Ein „L“ kann unbemerkt eine Woche voller Überraschungen umfassen. Verwendet XL und XXL als Anlass zur Aufteilung, nicht als akzeptierte Schätzung.
Häufige Fehler
- Eine Größe für eine exakte Zahl halten. Die Skala ist bewusst ungenau. Präzision würde den Zweck zunichtemachen.
- Größen zwischen Teams vergleichen. Wie Story Points und Velocity wird die Skala pro Team kalibriert.
- XL und XXL als fertige Schätzungen akzeptieren. Sie sind Signale, die Aufgabe aufzuteilen, nicht Größen für die Sprintplanung.
- Nie zu Punkten wechseln. Wenn ihr Sprints prognostizieren müsst, reichen T-Shirt-Größen allein nicht aus.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet T-Shirt-Sizing in der agilen Entwicklung?
Eine relative Schätzmethode, bei der das Team Arbeit als XS, S, M, L oder XL einordnet, statt Zahlen zu verwenden. Aufgaben werden miteinander verglichen. Die Methode ist schnell und auch für nicht technische Beteiligte zugänglich.
Was bedeuten die T-Shirt-Größen?
Es gibt keine allgemeingültige Definition. Grob gilt: XS ist unbedeutend, S klein und klar, M eine Aufgabe mittleren Umfangs, L groß oder unsicher und XL bzw. XXL wahrscheinlich zu groß und aufzuteilen. Jedes Team legt die Grenzen selbst fest.
Ist T-Shirt-Sizing besser als Story Points?
Keine Methode ist besser; sie passen zu unterschiedlichen Projektphasen. T-Shirt-Sizing ist schneller und zugänglicher für frühe, übergeordnete Planung. Story Points liefern feinere Abstufungen und die Zahlen, die für Velocity und Sprintplanung gebraucht werden.
Wie rechnet man T-Shirt-Größen in Story Points um?
Verwende eine grobe Zuordnung, zum Beispiel S = 2, M = 3, L = 5 und XL = 8, und behandle sie als Näherung. Für eine genauere Sprintplanung schätzt du diese Aufgaben direkt in Punkten neu, statt dich auf die Umrechnung zu verlassen.
Wann sollte man T-Shirt-Sizing einsetzen?
Für eine schnelle erste Einordnung eines großen oder frühen Backlogs, für Roadmap-Schätzungen und immer dann, wenn nicht technische Beteiligte mitmachen sollen. Für Sprintplanung und Velocity wechselt ihr zu Punkten.
Wer nimmt am T-Shirt-Sizing teil?
Alle Personen, die an der Arbeit beteiligt sind, oft auch Stakeholder aus Geschäftsbereich, Produkt und Design. Die allgemein verständliche Skala setzt keine technischen Kenntnisse voraus.
Quellen
- Usman, M., Mendes, E., Weidt, F. & Britto, R. (2014). Effort estimation in agile software development: a systematic literature review. PROMISE 2014 (Relative Schätzung durch Expertenurteil dominiert agile Schätzverfahren).
- Poženel, M., Fürst, L., Vavpotič, D. & Hovelja, T. (2023). A comparison of planning poker, the bucket system and affinity estimation. International Journal of Software Engineering and Knowledge Engineering, 33(11n12) (Grobe und schnelle Methoden erreichten bei vertrauten Teams eine ähnliche Genauigkeit wie Planning Poker).
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